Artikel aus der Saarbrücker Zeitung vom 28.07.07 (Lokalteil Homburg - S. C1).
Jugendliche aus dem Homburger Jugendzentrum waren am Freitagnachmittag zu Gast in der Redaktion
Die Jugendlichen, die in Homburg das autonome Jugendzentrum betreiben, wehren sich. Sie wollen nicht, dass die Stadt ihnen das Gebäude wegnimmt, ohne wenigstens neue Räume anzubieten. Sie fürchten um die Zerschlagung ihrer Strukturen.
Von SZ-Redakteurin Christine Maack
Homburg. Wie soll es mit dem Homburger Jugendzentrum weitergehen? Am Freitag waren Sofie Burger, Sergio Cicciari, Florian Meyers und Johannes Grunert vom Homburger AJZ (Autonomes Jugendzentrum) zu Gast in unserer Redaktion.
Mit dabei war auch Theo Koch, Geschäftsführer von Juz United, dem Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung. Zwei Dinge sind bei dem Gespräch klar geworden: Die Jugendlichen wollen weiterhin einen Treffpunkt haben, an dem sie unter sich sein können. Und sie können es der Stadtverwaltung nicht verzeihen, dass sie nicht schon seit zwei Jahren, seitdem die Baufälligkeit des Gebäudes hinterm Güterbahnhof thematisiert wurde, für Ersatz gesorgt hat.
„Wir brauchen kein tolles neues Gebäude,“, ärgert sich Sofie, „wir wollen entweder da bleiben, wo wir sind, oder Ersatz haben. Aber uns einfach raussetzen und nichts haben, das geht nicht.“ Auch Johannes Grunert kann darüber nur den Kopf schütteln: „Sollen wir vielleicht in der Innenstadt an den Brunnen sitzen?“
Verbitterung ist zu spüren – und Politikverdrossenheit. Man werde von den Parteien nicht ernst genommen. „Warum können die nicht verstehen, dass wir uns selbst organisieren und eine Art Heimat für viele Mitglieder bedeuten?“ fragt Sofie. Und sie erzählt von jungen Leuten, die ,,zu Hause Stress haben“, und die froh seien, an Tagen wie Heiligabend eine Bleibe unter Gleichgesinnten im AJZ zu finden. „Das Juz ist ein Abbild unserer Gesellschaft“, sagt auch Theo Koch, „da sind Studenten, Schüler, Auszubildende drin. Manche wollen reden, sind allein, manche
haben es zu Hause nicht so schrecklich harmonisch. Hier können sie sich engagieren und werden angenommen.“ Natürlich seien auch im Homburger AJZ Leute dabei, „die wir nicht so toll finden“, sagt Sergio, „aber wir können nicht für alle gerade stehen.“ Und grölende junge Leute, die sich in der Straße erbrechen? „Na ja, das muss nicht sein“, räumt Johannes Grunert ein, „Betrunkene wollen wir nicht. Die setzen wir auch aus dem Juz raus, bis sie wieder normal sind.“ Halten sie das Gebäude denn nicht für verdreckt? „Auf keinen Fall! Wir haben in Eigenarbeit kürzlich erst alles neu gestrichen“, erklärt Sofie, „natürlich ist es nach unserem Geschmack bemalt. Da liegen nun mal keine Häkeldeckchen herum.“ Wenn die Stadt über betrunkene Juzler schimpfe, müsse sie konsequent sein, zum Beispiel am Rosenmontag, fordert Florian Meyers: „Da wird auf der Straße nur gesoffen, und das duldet die Stadt ausdrücklich.“ Ebenso das Bockbierfest: „Da geht es doch nur ums Kampftrinken. Das ist gesellschaftlich akzeptiert, da gehen die Politiker sogar hin und unterstützen das Trinken. Was soll das?“ Die Jugendlichen hoffen nun, dass sie für eine Übergangszeit wenigstens die untere Etage ihres Gebäudes behalten können.
In die anderen Jugendräume der Stadt wollen sie nicht einziehen. „Die haben ja ganz andere Konzepte mit der Eingliederung von Migrantenjugendlichen und so. Das hat mit uns nichts zu tun“, betont Sofie. Außerdem seien sie in diesen Räumen nicht willkommen. Im übrigen seien die meisten Juzler ab Mitte 20 ohnehin in bürgerlichen Berufen tätig: in Arztpraxen, Handwerksbetrieben oder in Berlin – wie Astrid Klug als Staatssekretärin.