Die SPD und die Krisenkommunikation im Internet
17 09 2008Das im WWW eine andere Art von Krisenkommunikation angebracht ist, als in den "klassischen" Massenmedien, sollte inzwischen bei allen angekommen sein, dass dem nicht so ist, zeigt nun allerdings eindrucksvoll die SPD.
Konkret geht es um einen Scherzanruf von radio ffn bei Andrea Ypsilanti, ihres Zeichen SPD-Landesvorsitzende in Hessen und Ministerpräsidentin in spe. Bei dem Scherzanruf rief ein Stimmenimitator Frau Ypsilanti an und gab vor Franz Münteferin zu sein. Ypsilanti fiel offensichtlich darauf herein und gab einige mehr oder weniger komische, politisch aber nicht weiter verfängliche Antworten auf den Vorschlag des Pseudo-Münte, doch nach Berlin zu kommen und Hessen Roland Koch zu überlassen.
Soweit so gut. Der SPD - bzw. Frau Ypsilanti - war der Anruf allerdings so peinlich, dass sie keine Genehmigung zur Ausstrahlung gaben. Dennoch gelangte ein knapp zwei Minuten (genauer ~1:45 min) langer Ausschnitt, aus dem insgesamt sieben Minuten langen Anruf, auf die Videoplatform YouTube und damit beginnt der für die SPD peinliche Teil der Geschichte.
Statt die Tatsache, dass der Ausschnitt nunmal im Internet kursiert und sich auch nicht mehr komplett aus selbigem entfernen lässt, zu akzeptieren und den Anruf eventuell sogar für die eigene Polit-PR zu nutzen, versucht man nun mit repressiven Maßnahmen ungeschehen zu machen, was nicht mehr ungeschehen gemacht werden kann. Glaubt man einer Meldung von heise online, so hat die hessische SPD nun Anzeige erstattet, um herauszufinden wie der Mitschnitt auf YouTube gelangen konnte. Zuvor hatte sie den Radiosender schon aufgefordert, den Clip bei YouTube & Co. entfernen zu lassen - was logischerweise keinen Erfolg hatte, da er nach der Löschung von anderen Nutzer direkt wieder hochgeladen wurde und sich folglich bis heute bei YouTube findet, eine Suche nach "Ypsilanti" reicht vollkommen.
Mit ihrem Vorgehen zeigt die SPD nicht nur, dass sie nicht so wirklich zu wissen scheint, wie das Internet funktioniert, sondern sie hinterlässt auch den Eindruck einer humorlosen und anchronistischen Partei - nicht unbedingt vorteilhaft angesichst stetig schwindender Mitgliederzahlen.
Kategorien : media, parties
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