Stell dir vor es ist Krieg und keinen interessiert's
09 08 2008So oder so ähnlich stellt sich jedenfalls momentan die deutsche Friedensbewegung im Hinblick auf den Krieg im Kaukasus dar. Dort versucht Georgien gerade die abtrünnige Provinz Südossetien zurück zu erobern. Doch wo, so frage ich mich, sind die Demonstrationen und Mahnwachen gegen den "Völkermörder" Georgien und für die "Freiheitskämpfer" in Südossetien von friedensbewegten Deutschen?
Liegt es vielleicht daran, dass Israel und die USA nicht beteiligt sind? Erinnern wir uns an den sog. Libanonkrieg 2006. Damals häuften sich Demonstrationen, Mahnwachen und abstruse Flugblätter gegen den "Völkermörder" Israel und für die "Freiheitskämpfer" der Hisbollah und das obwohl im gesamten Libanonkrieg, laut libanesischen Regierungsangaben, 1400 Menschen starben, während in Südossetien bisher schon - diesmal laut russischen Angaben - 1500 Menschen getötet wurden. Wird hier etwa mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen?
Dieser Eindruck verfestigt sich, wenn man andere Konflikte betrachtet. Während das Morden in Dafur von der deutschen Friedensbewegung weitgehend ignoriert wird, wird sie nicht müde den Abzug der alliierten Truppen aus Afghanistan und dem Irak zu fordern, wohlwissend welch katastrophalen Folgen dies wahrscheinlich für die dort lebenden Menschen haben würde.
Aber es besteht noch Hoffnung, berichtete die Süddeutsche Zeitung doch heute, dass Georgien "mit Hilfe Amerikas und Israels die georgische Armee von einem Trümmerhaufen in eine schlagkräftige und effiziente Truppe verwandelt und erst jüngst weiter aufgerüstet" [1] hat. Wenn das kein Stichwort für die friedensbewegten Deutschen ist endlich aktiv zu werden. Gegen die Kriegstreiberei Israels und der USA in Südossetien.
[1] Zekri, Sonja (2008). Die Explosion der Gewalt. Alle Seiten manipulieren die Wahrheit, nur eines ist gewiss: Es wird wieder gekämpft im Kaukasus. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 185, 9./10.08.208, S. 2.
Kategorien : politix
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