
chAosKanal.NET wurde das Selbstverständnis einer neuen Antifa-Gruppe im Saarland, mit dem Namen Rabatz, zugespielt. Im Folgenden dokumentieren wir dieses Selbstverständnis.
Wer oder was ist eigentlich Rabatz?
Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich in August diesen Jahres zusammen gefunden hat, um im Zuge der weiterhin zahlreich auftretenden neonazistischen Aktivitäten aktiv antifaschistische Arbeit zu leisten, und uns gemeinsam gegen den reaktionären Konsens in der deutschen Gesellschaft zu artikulieren.
In diesem Zusammenhang ist es für uns auch nicht unerheblich, dass ein Teil unserer Gruppe bereits aktiv politische Arbeit in verschiedenen saarländischen "Antifa"-Gruppen geleistet hat, aber auch in der vermeintlich "inaktiven" Zeit nicht den Blick für die vorherrschenden Zustände verloren hat.
Die Entstehung der Gruppe "Rabatz" ergibt sich jedoch unabhängig der Vorgeschichte von Einzelpersonen vielmehr aus dem gemeinsamen Leidensdruck, den wir als Antifaschisten libertärer Gesinnung aufgrund der gesellschaftlichen Zustände aufgebaut haben. Diese sind für uns als autonome Antifaschisten kaum zu ertragen, da sich besagte Zustände in keinerlei Hinsicht, als fortschrittlich, egalitär und schon gar nicht als libertär bezeichnen lassen.
Im Folgenden möchten wir kurz einige Beweggründe darstellen, wobei es nicht unser Anspruch ist im Rahmen eines Selbstverständnisses zu jedem politischen Diskurs Stellung zu nehmen, da es der Komplexität vieler Thematiken nicht gerecht würde. Von daher möchten wir uns (in gekürzter Form) am Ansatzpunkt unserer zukünftigen politischen Arbeit orientieren, nämlich dem Antifaschismus, der für uns die Basis gesellschaftlicher Veränderung im Konstrukt Deutschland darstellt.
Sollten allerdings Fragen oder Kritik auftreten, so werden wir über die unten angegebene Internet- bzw. E-Mailadresse erreichbar sein und gegebenenfalls bereit sein Stellung zu beziehen.
Den faschistischen Konsens durchbrechen…
Es ist weder Zufall, noch das alleinige Ergebnis sozio-kultureller und gesellschaftlicher Neuentwicklung, dass in Deutschland faschistisches und antisemitisches Gedankengut auf allen Gesellschaftsebenen weit verbreitet und ideologisch fest verankert ist.
So war diese Ideologie, welche ihrer Auswüchse vor allem seit jeher im Antisemitismus findet, schon vor der Machtergreifung Hitlers und dem Nationalsozialismus in hiesigen Gefilden weit verbreitet und in weiten Teilen gesellschaftlicher Konsens.
Dass diese sowohl unterschwelligen, also auch offenen Ressentiments im Nationalsozialismus mündeten und bis heute verbreitet sind, darf beim Blick auf deutsche Geschichte kaum verwundern.
Auch die im Zuge der Nachkriegszeit oft proklamierte "Entnazifizierung" fand nicht im notwendigen Rahmen statt, da der Großteil der NS-Funktionsträger (Politiker, Beamte, Lehrer, Offiziere usw.) und NS - Mörder, als auch die Masse ihrer willigen Helfer sich relativ problemlos wieder im Rahmen des so genannten Neuaufbaus in die Gesellschaft einreihen konnten.
Diese Umstände werden heute von allen Seiten gerne relativiert, um sich im neu proklamierten Patriotismus bzw. Nationalismus eines "vereinten" Deutschlands zu sonnen und dementsprechend zu gebärden.
Einher mit diesem Phänomen geht der Umstand, dass Antisemitismus, Rassismus, Geschichtsrevisionismus, aber auch Homophobie in allen Ebenen der Gesellschaft so präsent sind, wie sie es seit dem Nationalsozialismus nicht mehr waren. Dies gilt für das Saarland ebenso, wie für den Rest des Konstruktes Deutschland.
Zynischer weise könnte Mensch auch behaupten, dass Deutschland sich und seiner Tradition treu und verbunden bleibt.
Dieser Umstand ist auch im täglichen Leben spürbar, erlebbar und faktisch nachzuvollziehen. So gibt es täglich bundesweit Übergriffe und auch die Wahlerfolge der NPD (auch im Saarland) kamen nicht wirklich überraschend. Sie sind lediglich ein Ausdruck dessen, was weiter ideologisch unter der deutschen Oberfläche schlummert und zeigen gleichzeitig was in Deutschland schon viele Jahre Realität ist, nämlich "National befreite Zonen", Übergriffe auf Migrantinnen, Anders denkende, Homosexuelle , antisemitische Hasstiraden usw.…
Allerdings hat die deutsche Nazi-Szene auch neue Strategien entwickelt, welche es ihr einfacher macht offen und effektiver zu agitieren. So hat sich einer neuer "Dress-Code" entwickelt, der es schwierig macht Nazis als solche auszumachen. Dabei kleiden sich viele Nazis bewusst "normal" oder greifen auf oft wenig bekannte Nazi-Marken, wie z.B. "Thor Steinar" zurück, welche teilweise kaum als solche zu erkennen sind.
Neben dem neuen "Dress-Code" verschwimmen zudem weiterhin die Grenzen zwischen Neo-Nazis und dem Rest der Gesellschaft. So ist es z.B. keine Seltenheit mehr bekannte Nazis und Sympathisanten in "normalen" Discos, Kneipen, etc., aber auch in Jugend- bzw. Subkulturen anzutreffen, welche sich vor Jahren noch klar von Nazis abgrenzten.
Es wird als gesellschaftliche Normalität akzeptiert, dass sich Nazis im öffentlichen Raum bewegen und Einfluss nehmen. Dies zeigt sich auch an der Strategie, dass immer mehr Geschäfte (Tattoo-Shops, Bekleidungsläden) von Nazis eröffnet werden, was sowohl einen finanziellen Zweck hat, aber auch dazu dient sich in der Öffentlichkeit zu etablieren, Treffpunkte zu haben und politisch zu agieren. Solche Läden existieren auch im Saarland, unter anderem in Saarbrücken, Neunkirchen, Elversberg und Heusweiler.
Die allgemeine Entwicklung ist aber natürlich nicht nur innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zu beobachten, sondern auch auf parlamentarischer Ebene und den so genannten "etablierten" Parteien.
Dort schrecken Politiker immer weniger vor populistischen Aussagen zurück, die auch Anklang und Nährboden beim antisemitischen und rassistischen deutschen Durchschnittsbürger finden.
Es ist wie schon beschrieben bei weitem kein neues Phänomen oder reiner Ausdruck einer "frustrierten" Gesellschaft, sondern eine Ideologie die immer vorhanden war und deutlich zeigt, dass Deutschland auch 60 Jahre nach der Kapitulation nicht mit seiner faschistischen Tradition gebrochen hat.
Deshalb halten wir es für wichtig den Nazis und ihren Helfershelfern auf allen Ebenen entgegenzutreten, und ihnen weder inhaltlich noch auf der Straße das Feld zu überlassen.
Allerdings ist uns auch bewusst, dass diese deutsche Tradition, die weiterhin Menschen verachtende Ideologien produziert, nur durch einen gesellschaftlichen Umbruch völlig überwunden werden kann und mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung über das Konstrukt Deutschland einhergeht.
In diesem Sinne: Gegen Antisemitismus, Rassismus und Homophobie!!! Deutschland abschalten, gegen den völkischen Konsens!!! Für eine herrschaftsfreie Gesellschaft!!!
Rabatz Autonome – Antifa im Saarland
Die Vernichtung der Wurzeln des Faschismus bleibt unser Ziel!!!
Erreichbar sind wir über: Postfach 1907 66519 Neunkirchen E-Mail: Rabatz_Saar@gmx.ch [4] Tel.: 01577 - 2604766 (Mo, Mi, Fr 18 -20 Uhr)
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